Personalrecruiting in Corona-Zeiten: von virtuellen Bewerbungsprozessen bis zum digitalen Onboarding


Seit Beginn der Corona-Pandemie sind wir in unserem Privat- aber auch Berufsleben enormen Veränderungen ausgesetzt. Ob Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen auf der einen und Kurzarbeit oder mobiles Arbeiten auf der anderen Seite – Routinen, Muster und Prozesse unterliegen derzeit einem gravierenden Wandel. Dies gilt im Arbeitskontext auch für das Personalrecruiting. Besonders bei der Ansprache und der Auswahl von Fachkräften gehen viele Unternehmen seit Beginn der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie neue Wege. Von virtuellen Bewerbungsprozessen bis hin zu digitalem Onboarding zeigen sich die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Wir haben recherchiert, welche corona-bedingten Entwicklungstendenzen Experten und Beobachter hier verzeichnen und geben einen Überblick über Zahlen und Fakten rund um das Recruiting von Fachkräften in Deutschland.



Aktuelles: Wie hat sich das Personalrecruiting in den letzten Monaten entwickelt?


In jeder Krise steckt eine Chance. Was sich zunächst ein wenig abgedroschen anhört, eröffnet Unternehmen derzeit vielversprechende Möglichkeiten, um bei der Suche nach qualifizierten Fachkräften neue Wege zu gehen. Denn nicht nur der geeignete Kanal, sondern auch die richtige Ansprache gehörten im Rahmen der Personalsuche schon vor Beginn der Corona-Pandemie auf den Prüfstand. Die anhaltenden Einschränkungen haben in vielen Unternehmen allerdings erst jetzt einen Reflektionsprozess ausgelöst, wie der Kommunikationswissenschaftler Peter Steinbach in einem Gastbeitrag für SpringerProfessional anführt.1 Besonders die Umstellung auf digitale Prozesse begünstigt in diesem Kontext den Paradigmenwechsel, der bei Personalleitern derzeit Herausforderung und Chance zugleich darstellt. Bild Bewerbungsgespräch in Coronazeiten Eine Studie des Personalmagazins und der Recruitingplattform Softgarden ergab, dass die Recruitingprozesse in nur 36 % der befragten Unternehmen tatsächlich durchgehend digitalisiert sind. Von den insgesamt 1788 Bewerbern und 130 Unternehmen, die an der Studie teilgenommen haben, können sich 76 % der Bewerber und immerhin 89 % der Recruiter zwar vorstellen, dass die Corona-Pandemie die digitalen Bewerbungsprozesse langfristig begünstigt. Bis dahin haben aber vor allem Arbeitgeber noch einiges an Aufholbedarf. Denn im Rahmen der Softgarden-Studie stellte sich heraus, dass immerhin 71 % der Recruiter bereit wären, die Einarbeitung neuer Mitarbeiter komplett virtuell durchzuführen, allerdings haben 69 % der befragten Unternehmen derzeit noch keine Erfahrung mit digitalem Onboarding.2

Im Rahmen einer weiteren Befragung der 130 Recruiter durch Softgarden und der Haufe-Lexware GmbH & Co. KG aus dem Juni 2020 gaben 19,2 % der Befragten zudem an, dass sie gerne weiter rekrutieren würden, es jedoch derzeit nicht schaffen, auf virtuelle Verfahren umzustellen. 28,4 % der Teilnehmer führten an, unter der Berücksichtigung von Hygieneregeln weiterhin persönliche Interviews durchzuführen.3 Zahlen, die den Handlungsbedarf im Personalbereich unterstreichen – ist es doch derzeit vorwiegend die virtuelle Ebene, auf der Austausch und Weiterentwicklung stattfinden können.

Ein Blick in die Zukunft: digitale Möglichkeiten der Personalsuche

Bild Vorstellungsgespräch Videocall Die Digitalisierung des Personalrecruitings umfasst jedoch nicht nur virtuelle Einstellungsverfahren und digitales Onboarding. Der digitale Raum eröffnet Unternehmen auch bei der Suche nach und der Ansprache von geeigneten Kandidaten weitläufige Möglichkeiten. So hat der European SME Survey 2019, der für die KfW in Kooperation mit weiteren europäischen Förderbanken erstellt wurde, ergeben, dass immer mehr Unternehmen Social-Media-Plattformen für die Rekrutierung von Mitarbeitern nutzen – und dies auch bereits vor Beginn der Corona-Pandemie taten. In einem KfW-Research-Onepager aus dem August 2020 führen die Autoren zudem an, dass die Mitarbeitersuche in den sozialen Netzwerken in Deutschland durch die Corona-Krise weiter an Bedeutung gewinnt. So planen 22 % der befragten kleinen und mittleren Unternehmen, Social Media in den kommenden zwei Jahren in ihr Personalrecruiting zu integrieren.4 Weitere Recherchen der Autoren ergaben, dass die derzeit von Personalleitern meistgenutzten Plattformen LinkedIn, XING und Facebook sind. Eine Entwicklung, die durch den anhaltenden Fachkräftemangel verstärkt wird. So zeigt der KfW-Report auf, dass 50 % der befragten Unternehmen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit durch den Fachkräftemangel beeinträchtigt sehen, Social-Media-Netzwerke verstärkt für die Personalsuche einsetzen. Dies lässt sich auch damit begründen, dass vermehrt potentielle Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt eintreten, die mit den digitalen Medien aufgewachsen sind und diese fast ausschließlich für die Kommunikation und den Austausch untereinander nutzen.5

Die aktive Präsenz auf Social-Media-Kanälen ermöglicht es Arbeitgebern, ihr Unternehmen bei Zielgruppen verschiedenen Alters und mit unterschiedlichen Interessen als Marke und zugleich als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren. Ob IT-Unternehmen, Krankenhäuser oder Dienstleister für Personallösungen wie die peepz GmbH – die Jobsuche auf Facebook, XING und LinkedIn gewinnt branchenunabhängig zunehmend an Bedeutung. Und auch die Ansprache der Bewerber wandelt sich: Für zukünftige IT-Experten, motivierte Pflegekräfte oder kompetentes Empfangspersonal spielen die Vision und die Unternehmensphilosophie ihrer zukünftigen Arbeitgeber eine immer größere Rolle. Dies bestätigt auch Kommunikationswissenschaftler Peter Steinbach und ist sich sicher: Gut aufgestellten Personalabteilungen wird in Zukunft eine noch tragendere Rolle zukommen.6 Wer langfristig Erfolg bei der Rekrutierung von Personal haben möchte, sollte seine Human-Resources-Manager somit als wichtige strategische Partner ansehen und bei der Beschaffung von Human Capital auf digitale Expertise setzen.


1https://www.springerprofessional.de/recruiting/corona-krise/recruiting-fuer-die-personalsuche-nach-corona-neu-denken-/18256132
2https://www.haufe.de/personal/hr-management/studie-defizite-bei-der-digitalisierung-im-recruiting_80_516488.html
https://go.softgarden.de/recruitinginzeitenvoncorona
3https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1125890/umfrage/personal-recruiting-in-zeiten-der-corona-krise/#professional
4https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Volkswirtschaft-Kompakt/One-Pager-2020/VK-Nr.-203-August-2020-Social-Media.pdf
5https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Volkswirtschaft-Kompakt/One-Pager-2020/VK-Nr.-203-August-2020-Social-Media.pdf
6https://www.springerprofessional.de/recruiting/corona-krise/recruiting-fuer-die-personalsuche-nach-corona-neu-denken-/18256132


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