Arbeiten im Homeoffice -
Charakterfrage oder Einstellungssache

Arbeiten im Homeoffice klingt verlockend – morgens ersparen wir uns die überfüllte S-Bahn und am Abend besteht unser Heimweg darin, vom Arbeitszimmer auf die Couch zu wandern. Nach einigen Monaten am heimischen Schreibtisch, bedingt durch die Corona-Pandemie, ziehen Arbeitnehmer in ganz Deutschland allerdings ganz unterschiedliche Résumés. Während die einen die Heimarbeit als Bereicherung empfinden, beklagen die anderen Einsamkeit und Überlastung. Ist Homeoffice demnach Einstellungssache – oder doch eher eine Charakterfrage? Wir haben recherchiert.



Die Corona-Arbeitsschutzverordnung - eine Empfehlung, die Schlupflöcher birgt?


Seit einigen Wochen gilt in Deutschland die verschärfte Corona-Arbeitsschutzverordnung. Diese besagt, dass Unternehmen ihren Arbeitnehmern, wenn möglich, Homeoffice-Arbeitsplätze einrichten sollen, damit diese ihre Arbeit vom heimischen Schreibtisch aus erledigen können. Wenn möglich. Diese kleine, aber elementare Zusatzformulierung ist derzeit noch weitaus zu häufig der Grund für Präsenzarbeit im Büro – trotz verschärfter Kontaktbeschränkungen. Junger Geschäftsmann lächelnd am schreibtisch im HomeofficeEine Umfrage der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft aus dem Januar 2021 ergab, dass zwar zwei Drittel der Betriebe ihren Mitarbeitern mobiles Arbeiten ermöglichen könnten, allerdings in nur 64 % dieser Betriebe tatsächlich Heimarbeit stattfindet. Demnach würden ein Drittel der Mitarbeiter der an der Umfrage teilnehmenden Betriebe vor Ort arbeiten, obwohl sie auch zuhause die Möglichkeit hätten, ihren Job auszuüben.1
Ein Grund dafür ist unter anderem die entsprechende, großzügig interpretierbare Passage aus dem Verordnungsentwurf des Arbeitsministeriums, die lautet: Homeoffice muss nicht ermöglicht werden, wenn „zwingende betriebliche Gründe“ dagegensprechen.2 Eine dehnbare Formulierung, die sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer je nach Belieben auslegen können, wie Autor Florian Diekmann in seinem Kommentar im Spiegel aufgreift.3
Somit wird deutlich: Die Bereitschaft, tatsächlich Homeoffice-Arbeitsplätze, beziehungsweise mobile Arbeitsplätze zu schaffen, muss von Seiten der Arbeitgeber aus gewollt sein. Dies ist branchenabhängig. Denn für ein IT-Unternehmen oder einen Anbieter von Personallösungen wie die peepz GmbH, die viele ihrer Dienstleistungen auch remote abbilden kann und ihren Fachkräften für den Telefonservice mobile Alternativen wie den innovativen Remote Service anbieten kann, ist die Umstellung auf beispielsweise Heimarbeit im Gegensatz zu im Einzelhandel oder dem Gesundheitswesen angesiedelten Unternehmen durchaus möglich. Die Bereitschaft, die Arbeit im Homeoffice ebenso engagiert wie im Büro zu verrichten, wird hingegen von Arbeitnehmern erwartet. Was geschieht, wenn diese mit dem neuen Arbeitsalltag in den eigenen vier Wänden nicht zurechtkommen? Oder von der anderen Seite betrachtet: Wie müssen Arbeitgeber reagieren, wenn ihre Angestellten im Homeoffice oder mobilen Arbeiten bessere Leistungen und Ergebnisse erbringen als vor Ort? Wir haben einen Blick auf die verschiedenen Homeoffice-Typen geworfen.

Homeoffice als Charaktertest: wer arbeitet wie?

Videokonferenz mit verschiedenen Mitarbeitern unterschiedlichen Charakteren

„Die Corona-Krise hat gezeigt, dass flexibles Arbeiten die Qualität der Arbeitsergebnisse nicht schmälert – im Gegenteil“, sagte unlängst Bitkom-Präsident Achim Berg in einem Beitrag der WELT.4 Der Digitalverband Bitkom kam im Rahmen einer repräsentativen Befragung zum Thema Homeoffice zu der Erkenntnis: Die Nutzung der Heimarbeit hat im Verlauf des vergangenen Jahres deutlich zugenommen.5 Umso interessanter ist es, neben Zahlen wie diesen auch die direkten Auswirkungen des flexiblen Arbeitsumfelds auf die Arbeitnehmer zu analysieren. Einen Blick auf die unterschiedlichen Persönlichkeitsstrukturen in Bezug auf die Arbeit im Homeoffice hat auch Wirtschaftspsychologin Prof. Dr. Nora Walter geworfen und sich dabei auf das Fünf-Faktoren-Modell nach Costa und McCrae bezogen. Dieses geht von fünf verschiedenen, unabhängigen Persönlichkeitseigenschaften aus, die bei Erwachsenen stabil und überdauernd zu beobachten sind. In ihrem Artikel beschreibt die Expertin, wie sich das Arbeiten im Homeoffice auf die unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmale der sogenannten Traits auswirken kann.6


1. Extrovertierte: Extrovertierte Personen sind laut der Expertin besonders offen und herzlich. Im Homeoffice oder mobilen Arbeiten nutzen Sie für den kommunikativen Austausch demnach sicherlich auch digitale Varianten besonders gerne, demonstrieren ihre Selbstsicherheit in Online-Konferenzen und suchen aktiv den virtuellen Dialog mit ihren Kollegen.

2. Introvertierte: Introvertierte Menschen benötigen weniger Stimulierung durch ihr Umfeld und kommen mit weniger Kontakt zu ihren Mitmenschen gut zurecht. Für sie bietet sich die Arbeit im Homeoffice deshalb möglicherweise sogar an, da sie von mehr Ruhe und einem erhöhten Maß an Konzentration profitieren.

3. Verschlossene: Menschen, die verschlossen und nicht unbedingt offen für neue Erfahrungen sind, wünschen sich, dass die Dinge ihren gewohnten Lauf nehmen. Die Umstellung auf die Mobile Arbeit von Zuhause aus fällt ihnen somit wahrscheinlich schwerer und verlangt ihnen ein hohes Maß an Anstrengung ab.

4. Gewissenhafte: Gewissenhafte Personen bevorzugen Planung sowie Ordnung und sind von ihrer Kompetenz überzeugt. Ihr hohes Leistungsstreben ist auch im Homeoffice ein klarer Vorteil, da sie strukturiert und konzentriert vorgehen – unabhängig von ihrem Arbeitsumfeld.

5. Soziale: Menschen mit einer hohen sozialen Verträglichkeit bringen ihren Mitmenschen, in diesem Fall ihren Kollegen, jede Menge Vertrauen entgegen und sind besonders empathisch. Auch im Homeoffice gelingt es ihnen dank dieser Charaktereigenschaften, als Teamplayer aufzutreten und im Sinne ihrer Kollegen und ihres gesamten Teams zu handeln.

Sicherlich zu beachten ist bei einer solchen Zuordnung, dass jeder Mensch über ganz verschiedene Charaktereigenschaften verfügt und beispielsweise sowohl extrovertiert als auch sozial und empathisch sein kann. Prof. Dr. Nora Walter führt jedoch an, dass die persönliche Ausprägung einer bestimmten Charaktereigenschaft bei Erwachsenen auch über Krisen, Herausforderungen und Situationen hinaus dominant bestehen bleibt und somit Handlungen und Reaktionen maßgeblich beeinflusst - auch wenn es letztendlich doch ein Mix verschiedener Charaktereigenschaften ist, der unsere Persönlichkeit auszeichnet.: Die Mischung macht´s.7 Denn neben der eigenen Persönlichkeitsstruktur sind auch die Wohn- und Familiensituation ausschlaggebende Faktoren für die Akzeptanz von Homeoffice-Modellen in der Arbeitswelt.



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1https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/corona-homeoffice-beschluss-die-so-ziemlich-weichste-regelung-a-eaf8ca26-1f74-4389-8ef5-1e218217b05c
2https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/corona-homeoffice-beschluss-die-so-ziemlich-weichste-regelung-a-eaf8ca26-1f74-4389-8ef5-1e218217b05c
3https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/corona-homeoffice-beschluss-die-so-ziemlich-weichste-regelung-a-eaf8ca26-1f74-4389-8ef5-1e218217b05c
4https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/article222021946/Bitkom-Studie-zu-Homeoffice-Jeder-Zweite-arbeitet-von-zu-Hause.html
5https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/article222021946/Bitkom-Studie-zu-Homeoffice-Jeder-Zweite-arbeitet-von-zu-Hause.html
6https://www.wirtschaftspsychologie-rhein-ruhr.de/2020/03/31/homeoffice-und-die-big-5/
7https://www.wirtschaftspsychologie-rhein-ruhr.de/2020/03/31/homeoffice-und-die-big-5/